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Alt 14.09.2015, 20:52   #231
Beorn
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Mit Berichten aus Rußland und der Ukraine kann ich leider nicht dienen, bin aber bereits sehr gespannt auf diese!

Meine Zeit hier in Jütland habe ich genutzt, um einen neuen Ground kennenzulernen, wenn auch kein neues Team.

Am Samstag habe ich die relativ kurze Anreise genutzt um die Begegnung Viborg FF - FC Nordsjaelland zu sehen. Beide Vereine habe ich bereits vor zwei Jahren gesehen, bei ihren Spielen in Arhus und Herning. Doch andere Begegnungen zu sehen wäre mit einem Aufwand verbunden gewesen, zu dem ich nicht bereit war.

Das Stadion in Viborg, der ehemaligen Haupstadt Jütlands, heisst Energi Viborg Arena und ist leider genau so langweilig wie sein Name. Das Fassungsvermögen beträgt etwas mehr als 9500 Plätze, abgesehen von einem Teil der Gästetribüne ist es ein reiner All-Seater. Erfreulich war die problemlose Erreichbarkeit, auch ohne Navi, und die unproblematische Parkplatzsuche. Was allerdings auch am sehr überschaubaren Zuschaueraufkommen lag ...

Eigentlich könnte mir Viborg FF als Celticfan sehr sympathisch sein: Das Team spielt in grün-weißen Ringelshirts, auch die Vereinsfarben sind grün und weiß. Doch damit haben sich die Gemeinsamkeiten leider bereits erledigt.

Nach meiner Ankunft ging ich gerade zu dem Zeitpunkt hinter der Gegentribüne entlang, als das dort in einem Raum gelagerte Material abgeholt wurde. Die Fans lagern ihre Fahnen und Schwenker also direkt im Stadion, warum auch nicht. Die Viborger Fans hatte ich vor zwei Jahren dank eines couragierten und durchgehenden Supports beim Sieg ihrer Mannschaft in Aarhus noch in guter Erinnerung. Doch diesmal wurde ich leider sehr enttäuscht. Vor zwei Jahren war man noch als Aufsteiger offensichtlich motivierter, jetzt wirkte der Support bestenfalls routiniert. Es war wenig motivierender Singsang, der im Lauf des Spiels mehr und mehr abflachte und später nahezu eingestellt wurde. Den kompletten Rest des Heimpublikums konnte man akustisch getrost ignorieren, da wurden selbst vergebene Chancen ohne große Regung hingenommen. Wobei es davon nicht viele gab, dazu später mehr.

Der Gast aus Seeland war diesmal mit exakt sechzehn Fans anwesend, vor zwei Jahren waren es gerade einmal drei. Diese zeigten zum Einlauf eine kleine Choreo aus Schwenkfahnen, anschließend machten sie sich mit einer Trommel und gelegentlichen Rufen und Gesängen hin und wieder bemerkbar.

Verglichen mit den Eindrücken in dänischen Stadien erscheint mir etwa der Auswärtsauftritt der SFS-Fans in Rhynern oder auch der Support beim Heimspiel gegen Bielefeld um Längen besser! Die TSC allein hätte bereits einen klaren Akzent gesetzt, der gesamte SFS-Mob hätte das Stadion in Grund und Boden gesungen!

Das Spiel war leider entsetzlich schlecht und ganz und gar niveaulos! Auch das war leider eine große Enttäuschung, da ich beide Mannschaften schon sehr viel besser gesehen hatte. In der gesamten ersten Halbzeit gab es eine einzige nennenswerte Torchance, ein gut getretener Freistoß, gefolgt von einem präzisen Kopfball und einer schönen Parade des Gästekeepers. Der Rest war zum Weglaufen schlechter Fußball, und meine Ansprüche sind als Fan eines Fünftligisten schon denkbar gering.

In der zweiten Halbzeit zeigten die Gäste eine bessere Leistung, kamen zu der einen oder anderen guten Gelegenheit. Doch das entscheidende Tor fiel erst in der Nachspielzeit, zuvor gab es ein leider weiterhin sehr langweiliges Spiel zu sehen. Den Siegtreffer erzielte der Brasilianer Bruninho, schon vorher der auffälligste Spieler auf dem Platz. In den letzten Minuten der Nachspielzeit (es gab zuvor unglaublich lange Behandlungspausen) stürmte der heimische Torwart noch mit, es ergab sich sogar etwas wie eine Torgelegenheit. Diese wäre in einem anderen Spiel wahrscheinlich nicht einmal zur Kenntnis genommen worden, hier verdiente sie eine Erwähnung.

3254 Zuschauer wollten dieses Spiel sehen. Wohlgemerkt, eine Erstligapartie in einer Liga, die zwar nicht zu den führenden in Europa gehört, aber doch einen gewissen Anspruch hat. Davon war leider am Samstag auf den Rängen wie dem Platz nichts zu sehen.
Zitat:
Zitat von Pahinho Beitrag anzeigen
Wahrscheinlich gibt's die Bratwurst eh nur in Deutschland.
In Dänemark stimmt dieser Satz nicht, zumindest im Viborger Stadion gibt es ein Verpflegungsprogramm. Was bei uns die Rostbratwurst oder die Krakauer ist hier in Dänemark die Frankfurter. Ja, ganz recht! Dicke Frankfurter Würstchen vom Holzkohlegrill, typisch dänisch mit Ketchup, Senf und Remoulade. Alternativ gibt es natürlich Hot Dogs, Rød pølse in einem runden Brötchen, ebenfalls mit viel Ketchup und Remoulade.

Billig ist das Essen allerdings nicht, eine Frankfurter kostet umgerechnet knapp sechs Euro, ein Hot Dog zwischen vier und fünf Euro. Ein 0,3er Becher Karlsberg kostet satte sechs Euro, ohne Pfand! Dagegen ist das Leimbachstadion der Verpflegungshimmel! Und ein frisch gezapftes Krombacher ist bestimmt um Längen besser als das schale, fast geschmacklose Bier, was ich zum doppelten Preis getrunken habe!

Ich verbuche es als Erfahrung, doch leider hinterließ dieses Spiel bei mir einen eher faden Eindruck. Da habe ich doch bereits erheblich bessere Partien erlebt, sowohl auf dem Platz, als auch auf den Rängen.

Ein herzlicher Gruß aus Jütland ins Siegerland!
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"Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe." (Keilschrifttext aus Babylon, um 2000 v. Chr.)

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Sokrates (470 - 399 v. Chr.), griechischer Philosoph

Geändert von Beorn (14.09.2015 um 23:12 Uhr).
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Alt 05.10.2015, 13:58   #232
Disno1899
 
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Standard KVW Zaventem – Tempo Overijse, 3. Nationale B, Gemeentelijk Stadion Zaventem

Gestern habe ich mir das Drittligaderby KV Woluwe-Zaventem gegen Tempo Overijse angesehen. Beide Orte liegen nur einige Kilometer voneinander entfernt in Flämisch-Brabant; Zaventem nordöstlich, Overijse südöstlich von Brüssel. Zaventem ist Einigen vielleicht bekannt als Brüsseler Flughafen.

Von Anfang an war die Gastmannschaft aus Overijse am Drücker. Deren Fans waren mit einem Bus und vielen Autos angereist und stellten die deutliche Mehrheit der Zuschauer. Kurz vor der Halbzeit ging Overijse in Führung, kurz nach der Halbzeit bauten sie auf 0:2 aus, wobei es blieb. Dem in finanzielle Nöte geratene ehemalige Zweitligist KVW Zaventem droht damit weiterhin der Abstieg in die vierte Liga, Overijse sicherte mit dem Sieg einen Platz im Mittelfeld.

Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit kam von dem „Tempo Boys Overijse“ sangestechnisch kaum etwas, außer einem lahmen „Let’s go Tempo, let’s go“ und einer nervigen Heulmaschine – was aber auch nicht weiter verwundert, schließlich spielten da zwei Dörfer gegeneinander.


__________________
Manuel Neuer im Interview nach dem Aserbaidschan-Spiel.
Neuer: "Ich war bei der Doping-Probe."
Reporter: "Und, was kam raus?"
Neuer: "Urin."
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Alt 05.10.2015, 14:41   #233
Ronaldinho
 
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Was für eine geile Sportanlage!

ViP-Haus, das mit dem Balkon plus Sitze?
Watt hat der auf der blauen Jacke stehen?
Schnecken unterwandern die Letzeburger Ultras!
__________________
Pfullendorf:OTTOOO...
*Mit dummen Menschen zu streiten, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen.Egal, wie du Schach spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren,als hätte sie gewonnen.*
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Alt 05.10.2015, 15:12   #234
Disno1899
 
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Zitat:
Zitat von Ronaldinho Beitrag anzeigen
ViP-Haus, das mit dem Balkon plus Sitze?
Watt hat der auf der blauen Jacke stehen?
Ja, unten Vereinsheim mit Bierausschenk für jedermann, oben VIP-Loge. Mehr braucht's halt nicht in der dritten belgischen Liga.
"Wij zijn KVW Zaventem" = Wir sind KVW Zaventem. Zugegeben, zusammengeschrieben sieht das eher aus wie Ungarisch denn wie Niederländisch. Deshalb hab ich's ja auch fotografiert.
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Manuel Neuer im Interview nach dem Aserbaidschan-Spiel.
Neuer: "Ich war bei der Doping-Probe."
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Alt 05.10.2015, 16:11   #235
Ronaldinho
 
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Zitat von Disno1899 Beitrag anzeigen
Ja, unten Vereinsheim mit Bierausschenk für jedermann, oben VIP-Loge. Mehr braucht's halt nicht in der dritten belgischen Liga.
"Wij zijn KVW Zaventem" = Wir sind KVW Zaventem. Zugegeben, zusammengeschrieben sieht das eher aus wie Ungarisch denn wie Niederländisch. Deshalb hab ich's ja auch fotografiert.
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*Mit dummen Menschen zu streiten, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen.Egal, wie du Schach spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren,als hätte sie gewonnen.*
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Alt 06.10.2015, 23:20   #236
via_forcella
 
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Ein paar Eindrücke aus St. Petersburg, der restliche Reisebericht folgt dann stückweise in den kommenden Tagen. Wie immer ermuntere ich mit Nachdruck zu Fragen, wenn etwas unklar ist!

St. Petersburg: 13. - 17. August

Beginn der Reise war in Berlin-Tegel, von dort ging es mit Germanwings nach Moskau-Wnukowo und dann weiter mit dem zuverlässigen Aeroexpress in die Stadt. Seit meinem letzten Russland-Aufenthalt ist der Fahrpreis inflationsbedingt um einige hundert Rubel gestiegen. Schon die Fahrt in die Stadt bot mehrere Stunden Diskussionsstoff. Neben den Gleisanlagen immer wieder staatlich beauftragte Graffitis, die Bezug auf das 70. Jubiläum des sowjetischen Sieges über Hitler-Deutschland nehmen oder große „Die Heldenstadt Moskau grüßt ihre Gäste“-Schriftzüge, die aus Blumen an den Erdwällen neben den Schienen zusammengesetzt wurden.


Drei-Bahnhofs-Platz in Moskau

In Moskau anzukommen, ist für mich immer ein sehr seltsames Gefühl. Obwohl ich in dieser Stadt anders als z.B. in Napoli keine nennenswerte Zeit meines Lebens verbracht habe, komme ich mir doch immer wie zuhause vor und nicht wie 1.800 Kilometer von Deutschland entfernt. Vielleicht liegt es an den Sprachkenntnissen oder an der russischen Mentalität, die mir sehr entgegen kommt, viel mehr als die in südlichen Ländern. In Italien fühle ich mich kulturell immer viel weiter entfernt.

Vom Kiewer Bahnhof ging es mit der braunen Ringlinie, die einer Legende nach auf eine abgesetzte Kaffeetasse Stalins auf einem Bauplan zurückgeht, bis zur Komsomolskaja, der prächtigsten Station in Moskau. Die Haltestelle liegt am Drei-Bahnhofs-Platz, wo man am Leningrader Bahnhof Richtung Baltikum, am Kazaner Bahnhof Richtung Tatarstan und am Jaroslawer Bahnhof Richtung Sibirien und Ferner Osten fahren kann. Hier steht auch der Gedenkstein für den 9298. Kilometer der Transsibirischen Eisenbahn.


Wehrausstellung des Veteidigungsministeriums im Leningrader Bahnhof

Der Leningrader Bahnhof kursiert im System der Russischen Eisenbahnen auch als „Oktoberbahnhof“. Er zählt zu den wenigen russischen Bahnhöfen, die mit dem „Sapsan“ über einen Schnellverkehr verfügen. In drei Stunden kann man nun zwischen den beiden Metropolen hin und her pendeln, freilich wird dafür ein saftiger Zuschlag zu den normalen Firmennij (Firmenzug) oder Skorij Poezd (Schnellzug). Da ich sowieso keine unnötige Übernachtung in Petrograd zahlen wollte, war der langsame Zug mit einer Ankunft am frühen Morgen genau die richtige Wahl für mich.


Endpunkt der Transsibirischen Eisenbahn

Russische Züge sind für mich inzwischen Routine. Die Diebstahlgefahr im Zug ist gleich null, ich würde als Alleinreisender bedenkenlos meine Wertsachen liegen lassen, während ich mich im Bad mit einer Wasserflasche dusche. Hier darf man keine Hemmungen haben, wenn man am Morgen gepflegt ankommen will. Niemand nimmt Anstoß daran, wenn man zwei Liter kreuz und quer durch die Toilette schleudert und Badeschaum am Boden verteilt.

Was des einen Freud, ist des anderen Leid: Die Russische Bahn leistet sich nach wie vor über 800.000 Mitarbeiter und schrieb in diesem Geschäftsjahr (bedingt auch durch den starken Rubel-Wertverlust) rote Zahlen im Bereich von fast zwei Milliarden Euro. Ausgeglichen wird das Defizit alljährlich durch die Einnahmen aus anderen Schlüsselindustrien unter staatlicher Kontrolle, also der Öl- und Gasförderung.

Dem Fahrgast kommen die auf den Kilometer gerechnet niedrigen Fahrpreise bei gleichzeitig hohem Serviceniveau sehr entgegen. Das Nachsehen haben Fahrgäste, die sich nicht auf den nach Moskau oder Fernost zulaufenden Strecken bewegen, zum Beispiel von Woronesch nach Wolgograd. Dort ist man de facto auf den Bus angewiesen, da Umstiegsverbindungen zwar auf Wunsch möglich, eigentlich aber nicht vorgesehen und im Fahrplan auch nicht berücksichtigt sind.

Ein trauriges Kapitel ist das fast vollständige Verschwinden der Babuschkas von den Bahnsteigen, bei denen in früheren Jahren allerhand frische Lebensmittel erworben werden konnten. Die Eisenbahn behauptet, es ginge dabei um Hygiene und das Erscheinungsbild der Bahnsteige. Naheliegender ist aber, dass ein Jakunin-Geschäftsfreund wie der Magnit-Inhaber Sergej Galizki darum gebeten hat, ihm dieses Geschäftsfeld zu überlassen und die missliebige, weil beliebte Konkurrenz zu verdrängen. Wer das entsprechende Kleingeld auf den Tisch legt oder zum Kreis der Mächtigen zählt, kann sich in Russland oft einer besonders wachsamen Ochrona sicher sein.


Wer bisher dachte, Eisessen sei eine unpolitische Angelegenheit, der wird hier eines Besseren belehrt: "70 Jahre Sieg - wir erinnern uns, wir sind stolz!"

In jedem Fall auffällig ist die starke Präsenz von Kiosk-Ketten wie dem „Russkij Appetit“, die den Verkauf von Bauernprodukten immer weiter an den Rand drängen. Wenn es möglich ist, kaufen die Russen aber stets auf dem Markt oder an der Straße, nicht im Supermarkt. Gegenüber Industrieprodukten herrscht, teils aus gutem Grund, teils ungerechtfertigt, eine große Skepsis. Wer mal in einem Hypermarkt war, dem wird sofort auffallen, wie das eingepackte Brot von allen Seiten begrapscht und beäugt wird.


Das Winterpalais


Bluterlöser-Kirche

Für die Eremitage war in St. Petersburg keine Zeit, ohne entsprechende Vorkenntnisse ist ein Besuch meiner Meinung nach auch sinnlos. Das Winterpalais ist für mich als Schauplatz der Oktoberrevolution viel bedeutsamer. Im Hostel zeichneten sie mir noch zahlreiche Kunstmuseen und Touren auf das von Peter I. gegründete Kronstadt auf, bei nur drei Tagen widmete ich mich aber lieber Rundgängen durch das Zentrum. Mittagessen kann man in Leningrad sehr günstig auf dem Newskij-Prospekt, dort gibt es mehrere Ketten mit russischem Essen, zum Beispiel Tschajnaja Loschka (Teelöffel). Zwei Blinij, kalter Borschtsch, eine Teekanne und ein Brötchen für 3,30 Euro, da kann man nicht meckern. Die Karte gibt es auch auf Englisch, gesprochen wird aber wie immer nur Russisch.


Das Stadion von außen

Das Petrowskij-Stadion liegt relativ zentrumsnah. Das Außergewöhnliche ist dabei, dass es bis auf einen einzigen Zugang von Wasser umschlossen ist, zugleich aber über riesige Flutlichtanlagen verfügt. Ein phantastischer Bau aus der Sowjetära, der leider bald das Zeitliche segnen wird. Eine neue Arena für die WM 2018 ist seit geraumer Zeit im Bau, es ist das teuerste Stadion der Welt. Das Ticket hatte ich im Vorfeld über das Internet gekauft, mit Russischkenntnissen und Kreditkarte geht das (anders als bei Spartak, wo man unbedingt eine russische Telefonnummer braucht) reibungslos.



Direkt gegenüber des Stadions hat die Stadtregierung an einer Hauswand ein großes Graffiti anbringen lassen, das einen Engel und eine Friedenstaube über dem feiernden Petersburg und ein wehendes Sankt-Georgs-Band zeigt. Insgesamt sind drei Kontrollen zu durchlaufen, bis die Tribüne betreten werden kann. Metalldetektoren waren im Gegensatz zu Moskau aber nicht im Einsatz und die Milizionäre schienen auch nicht besonders auf Zack zu sein.


Im Stadion angekommen


Blick auf die Zenit-Kurve, links neben mir (nicht im Bild) der Gästeblock

Die Kurve von Zenit enttäuscht mich, von einer der stärksten Szenen Russlands erwartete ich eine höhere Lautstärke. Wie ich im Nachhinein erfuhr, soll ein Teil der Zenit-Ultras derzeit boykottieren. Im Stadion deutete darauf nichts hin, da die Kurve mit der großen „Mein Name ist Zenit“-Fahne behangen war und sie keineswegs mit Hajopeis bevölkert war. Den Support bei Zenit kann man nur schwerlich mit westeuropäischen Szenen vergleichen. Der harte Kern allein ist zwar wenig ausdauernd, dafür singen die übrigen Zuschauer öfter mit und stellen eher das dar, was man sich unter einem Fussballfan vorstellt, als der typische Schalke-Dauerkarteninhaber. Insgesamt ließ es sich gut aushalten in der Kurve, denn die Sommersonne knallte ziemlich heiß und hinter der Tribüne lief der eiskalte Kwas für 80 Cent aus dem Zapfhahn. Aus Krasnodar, das immerhin über 800.000 Einwohner hat, reisten etwa 50 Gäste an, die außer mit dem Torjubel bei beiden Treffern nicht weiter auffielen.


Die bekannteste Straße Russlands: Der Newskij-Prospekt

In St. Petersburg sind besonders die Abendstunden zu empfehlen, wenn das Abendrot hervorkommt und auf dem Newskij-Prospekt flaniert wird. Dort ist echt die Hölle los! Wer mit Gepäck zum Bahnhof muss, sollte unbedingt mehr Zeit einplanen, da man sich seinen Weg durch die Menschenmassen bahnen muss. Die Atmosphäre ist hier ganz anders als in Moskau – weniger elitär als Moskau und kosmopolitischer. Das hätte auch Paris, Warszawa oder Roma sein können. Am „Moskauer Bahnhof“, der neben dem „Finnländischen Bahnhof“ und dem „Witebsker Bahnhof“ der größte der fünf Petersburger Personenbahnhöfe ist, hatte ich kaum Zeit, um mich nochmal umzusehen. In der Bahnhofshalle blieben mir noch fünf Minuten, um zum richtigen Waggon zu eilen. Da russische Züge oft mehr als 20 Waggons haben, sollte man die Laufwege nicht unterschätzen.


Gedenktafel für Feliks Dzerschinskij, Gründer der Außerordentlichen Allrussischen Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage, sprich: des ersten Geheimdienstes „Tscheka“


Der Bahnhofsvorplatz mit „Heldenstadt Leningrad“-Schriftzug am Abend
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Alt 07.10.2015, 00:24   #237
Carsten
 
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Wow! Was für eindrucksvolle Fotos und Berichte.
War 1995 mit Bayern in Moskau und fand eigentlich alles scheiße.
(Bis auf die Preise für Wodka und Zigaretten natürlich.....), ansonsten kann ich mit dem Land nicht viel anfangen und das wird sich auch nicht ändern.
Nicht mein Ding.....
__________________
- Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu -
"Max von Schenkendorf - 1814"
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Alt 07.10.2015, 09:10   #238
stw
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Hammer Eindrücke und Hammer-Beitrag!
Vielen Dank für diese außergewöhnlichen Einsichten!
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Alt 07.10.2015, 09:40   #239
Ronaldinho
 
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Spossiba Bolschoi, Tawarisch forcella!

Ich empfehle des weiteren: Die weißen Nächte, denn dann ist "Pieter" 24h lang wach.

Mein Zenit-Trikot hängt eingerahmt im Flur.

Das größte Land der Erde ist unglaublich vielfältig...Karelien mit Wäldern und riesigen Seen....Badeparadies Sotschi.....der herrliche Baikal-See.....fast ein Dutzend Zeitzonen.....das Asiatische im Osten....krassiva Dirwutschki.....sehr gastfreundliche Menschen.....

Kann man nach einem Kurzaufenthalt, noch dazu in der ungeliebten Gorbi-Zeit, nicht vollumfänglich eruieren.

Poka!
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*Mit dummen Menschen zu streiten, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen.Egal, wie du Schach spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren,als hätte sie gewonnen.*
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Alt 07.10.2015, 18:14   #240
via_forcella
 
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Zitat:
Zitat von Ronaldinho Beitrag anzeigen
Das größte Land der Erde ist unglaublich vielfältig...Karelien mit Wäldern und riesigen Seen....Badeparadies Sotschi.....der herrliche Baikal-See.....fast ein Dutzend Zeitzonen.....das Asiatische im Osten....krassiva Dirwutschki.....sehr gastfreundliche Menschen.....
Ja, das auf jeden Fall. Die Natur fand ich immer extrem sehenswert. In den nächsten Teilen meines Reiseberichts werde ich darauf noch genauer eingehen, Piter war eigentlich nur das Vorgeplänkel, von dort aus hatte ich auch nicht so viel zu erzählen. Im Hauptteil geht es um Woronesch, von wo aus wir Ausflüge nach Pawlowsk oder ein Naturschutzgebiet bei Zadonsk unternommen haben. Dort im Schwarzerdegebiet merkt man auch, wie schon so langsam die Steppenlandschaft beginnt.
via_forcella ist offline   Mit Zitat antworten
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